• Stresstest durch Ausgangsbeschränkung oder Ausgangssperre für Heilpraktiker Psychotherapie

Corona: Der Stresstest für Heilpraktiker Psychotherapie

Heilpraktiker Psychotherapie – eine stark gefährdete Gruppe

Selbstzahler fallen aus, Ausgangsbeschränkungen und Ausgangssperre breiten sich aus

Die Corona-Epidemie trifft bekanntermaßen – nicht nur mit den verhängten Ausgangsbeschränkungen und Ausgangssperren – gerade die Kleinstunternehmer und Solo-Selbstständige. Den Döner-Verkäufer, den Friseur, die Inhaberin einer kleinen Boutique und die meisten Heilpraktiker für Psychotherapie. Letzteres liegt an mehreren Fakten.

Da ich selber Ausbilder für Heilpraktiker für Psychotherapie bin, erlaube ich mir hier ein paar Stellungnahmen dazu zu nehmen – auch um einen stützenden und schützenden Blick auf diese Berufsgruppe zu richten.

Erstens: Heilpraktiker Psychotherapie sind meist Solo-Selbstständige

Menschen, die als Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten, sind meist Solo-Selbstständige. Öfter gibt es geteilte Praxisräume (Praxisgemeinschaften, keine Gemeinschaftspraxen), was aber an der rechtlichen und wirtschaftlichen Situation nichts ändert. in der deutschen Gesellschaft kann man mit diesem Abschluss keine höherwertige Anstellung finden – außer für ganz wenige Anbieter im komplementärmedizinischen Gesundheitsbereich. Wie aus Funk und Fernsehen mehr als gut zu vernehmen sind, erwischt es Solo-Selbstständige besonders – nicht nur bei Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen.

Zweitens: Die Klienten und Patienten sind meist Selbstzahler

Die meisten Kunden der Heilpraktiker Psychotherapie sind Selbstzahler. Das liegt daran, dass die gesetzlichen Kassen die Behandlungen nicht tragen und die privaten Kassen nur wenige zu einem lächerlichen Stundensatz, der seit gut 20-30 Jahre nicht verändert wurde. In wirtschaftlich guten Zeiten läuft das prima. In Zeiten von Kurzarbeit und Entlassungen brechen meist Klienten weg, weil schlichtweg das Haushaltsgeld schrumpft.

Drittens: Alternative Behandlungsmethoden bei Ausgangsbeschränkungen

Das gute an der Arbeit der Heilpraktiker Psychotherapie ist deren Einsatz von komplementärpsychologischen Arbeitsmethoden, welche alternativ zur klassischen Psychotherapie wichtige andere Bereiche abdecken. Diese werden meist mit viel Herzblut und Hingabe von den Therapeuten ausgeübt. Blöderweise sind manche dieser Techniken nicht als notwendige oder gar hinreichende therapeutische Maßnahmen eingestuft. Damit könnten Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen für manch eine Klientensitzung rechtlich ein Problem werden.

Viertens: Praxisbetrieb öfter erst jüngeren Datums

Viele Angehörige des Berufsstandes Heilpraktiker Psychotherapie kommen von anderen Stammberufen – oft, aber nicht immer im Gesundheitssektor – und steigen erst später meist aus ethischen Überlegungen in diesen Beruf ein. Da sich dieser Berufszweig mit den letzten Jahren immer stärker ausgebreitet hat, gibt es natürlich viele Praxen welche noch nicht so lange im Geschäft sind. Es ist nachvollziehbar, dass diese kein großes finanzielles Polster haben und eine entsprechend dünnere Liquidität – von einer gut gedeckten sozialen Absicherung leider oft ganz zu schweigen.

Fünftens: Öfter Teilzeittätigkeit

Bei der Berufsgruppe der Heilpraktiker Psychotherapie handelt es sich oft um Frauen, welche sich aus sozialen, ethischen und leidenschaftlichen Aspekten dieser Tätigkeit verschrieben haben. Sind diese während ihrer beruflichen Ausübung auch Mütter, dann ist von einer Ausübung dieser Tätigkeit in Teilzeit auszugehen. Gibt es kein anderes Standbein (etwa ein Ehepartner mit vernünftigem Einkommen), dann wird es in wirtschaftlich schlechteren Zeiten schnell eng.

Wirtschaftshilfe für Heilpraktiker Psychotherapie?

Wer hilft bei Verlusten bei Ausgangsbeschränkungen, Ausgangssperren und weniger solventen Klienten

Tja, und hier wird es dünn. Es gibt keine relevante Interessenvertretung für die Belange der Heilpraktiker Psychotherapie.

Keine Hilfe durch Heilpraktiker-Verbände wahrscheinlich

In Deutschland gibt es laut statistisches Bundesamt aktuell etwa 45.000 Heilpraktiker (medizinische und Heilpraktiker für Psychotherapie).

Diese werden vertreten durch mindestens 13 Bundesverbände und eine unübersichtliche Anzahl von Landesverbänden. Etliche dieser Verbände betreibt gleichzeitig auch Schulen, womit sich Verbandsarbeit als Träger mit einer eigenen geschäftlichen Tätigkeit als Anbieter von Dienstleistungen mischt.

Ich denke es ist leicht nachzuvollziehen, dass das Fehlen eines einheitlichen Bundesverbandes die Schlagkraft der Heilpraktiker auf die Politik und Gesetzgebung minimiert. Hier bräuchte es einen Marburger Bund für Heilpraktiker als echten Bundesverband. Uralte Gesetze mit lächerlichen Stundensätzen untermauern meine Annahme. Darüber hinaus würde ich von dieser Seite keine wirtschaftliche Hilfe für die praktizierenden Heilpraktiker (Psychotherapie) erwarten – sei es als Interessenvertretung in der Politik die gehört wird, oder etwa als Rechtshilfe.

Wirtschaftshilfe für Solo-Selbstständige von Bund und Ländern

Was bleibt, ist letzten Endes nur die Unterstützung durch Angebote, die generell an Selbstständige gemacht werden. Deren habe ich mich in einem anderen Blog-Eintrag gewidmet:

Blog-Eintrag: Wirtschaftshilfe für Selbständige Heilpraktiker und Coaches

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