• Welche Hygiene Corona mit sich bringt

Welche Hygiene Corona in der Praxis einbremst

Allgemeines zur Praxishygiene

Wenn Hygiene Corona betrifft, stellt es eine Praxis für Psychotherapie – egal ob bei Psychotherapeuten oder Heilpraktikern für Psychotherapie – vor besondere Herausforderungen. Doch bevor wir uns damit beschäftigen, hier erst einmal ein kleiner Leitfaden zur allgemeinen Praxishygiene, außerhalb einer Pandemie.

Das schöne ist, den gibt es bereits und kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden:

Folgende wesentliche Facts habe ich – unverbindlich – aus dem Dokument herausgezogen – was einem Praxisinhaber nicht das Durchlesen des Dokuments erspart. Hinsichtlich Desinfektion über die Reinigung im normalen Sinne hinaus muss je nach Praxiseinsatz und der Tätigkeit darin variiert werden.

WASWANNWOMIT
Fußböden hartNassreinigung täglich. Sichtbare Verschmutzung sofort.Haushaltsreiniger, Reinigungsutensilien (farbige Lappen, Putzeimer, etc.)
Fußböden TeppichAlle 3-4 Tage saugen. Alle 6 Monate Grundreinigung.Staubsauger, Teppichreiniger oder -reinigung
ToilettenNassreinigung täglich. Sichtbare Verschmutzung sofort.Haushaltsreiniger, WC-Reiniger, Reinigungsutensilien
Oberflächen, die angefasst werden wie Mobiliar, therapeutische Gegenstände, usw.Nassreinigung oder Trockenreinigung, je nach Oberfläche. Frequenz nach Bedarf. Sichtbare Verschmutzung sofort.Haushaltsreiniger, Reinigungsutensilien
AbfallEntsorgung sofort.Gut verschließbare Plastikbeutel in geschlossenem Abfalleimer. Entsorgung als Haushaltsmüll – bei großen Praxen Gewerbemüll.

Welche Hygiene Corona zu Leibe rückt

Über das Thema, wie Hygiene Corona eindämmen kann, steht im Internet sehr viel. Deswegen erspare ich mir dies an dieser Stelle. Ich möchte nur auf die spezifischen Punkte zu sprechen kommen, welche für den Betrieb einer psychotherapeutischen Praxis dazukommen oder wesentlich sind.

Der Reinigungs-Tipp

Die Hülle des Corona-Virus wird durch fettlösliche Mittel in Haushaltsreinigern und Alkohol (wesentlicher Bestandteil von Desinfektionsmitteln) beschädigt. Diese sollten verwendet werden.

Welche Hygiene Corona im Therapieraum einschränkt (s. a. BfR):

  • Höhere Sorgfalt: Selbstverständlich sind die normalen Hygiene-Maßnahmen mit noch mehr Sorgfalt durchzuführen.
  • Behandlungsraum: Teppiche kann man einrollen. Alle Praxen die ich kenne, haben keinen Teppichboden.
  • Toilette: Desinfektionsmittel und Einmal-Handtücher (oder Kosmetiktücher) sollten in der Toilette bereitstehen.
  • Oberflächen, die vom Klienten berührt werden: Stuhl (Stuhllehnen vor allem), Türklinken und vom Klienten benutztes therapeutisches Material wird nach der Sitzung gereinigt. Das geht schnell und ist effektiv. Das Virus überlebt an Kupfer 4h, an Pappe 24h, an Plastik und Edelstahl bis zu 3 Tagen.
  • Geschirr: Das Virus hat eine Lipid-Hülle und ist somit empfindlich gegen Tenside und Alkohole. Deswegen kann es auch durch einfache Haushaltsreiniger kaputtgehen. Geschirr in der Praxis sollte in der Maschine bei 60° gespült werden.
  • Abfall: Vom Klienten verwendete Taschentücher sollten sorgsam und zeitnah entsorgt werden. Wenn Hygiene Corona tauglich sein soll, muss selbstverständlich ein Abfalleimer existieren, der nur der Praxis zugehörig ist. Das ist wichtig für Solo-Selbstständige mit einem Praxisraum in gemischten gewerblichen Häusern ist.
  • Klima: Und das Lüften nach jedem Klienten nicht vergessen – was man normalerweise eh machen wird. Das Virus hält sich als Aerosol bis zu 3h in der Luft. Als kleiner Tipp: Je höher die Luftfeuchtigkeit, umso schnell „fallen die Viren zu Boden“. Auf diesen Effekt hoffen Wissenschaftler im Sommer, jetzt bereits kann man Luftbefeuchter für Raumhygiene nutzen, da winterliche (kalte) Luft trockner ist.

Welche Hygiene Corona in der Klient-Therapeut Begegnung einschränkt:

  • Informationszettel an die Tür mit Verhaltensmaßregeln.
  • Klienten nur einzeln empfangen: Klienten nur einzeln einladen – im Wartebereich nur einen sitzen lassen.
  • Keine Gruppen: Laut Empfehlungen des bdp ( Bund Deutscher Psychologen) wird von Gruppen abgeraten – was ja leicht nachzuvollziehen ist. Zur Zeiten von Ausgangsbeschränkungen ist dies außerhalb therapeutischer Situationen ja eh untersagt.
  • Nur wichtige therapeutische Sitzungen: Hinsichtlich der Behandlungsethik und auch den Vorgaben für Ausgangsbeschränkungen/Ausgangssperren ist es logisch, nur mit therapeutischen Fällen zu arbeiten. Coachings, die nicht dringlich sind, sind dies nicht.
  • Klienten zum Händewaschen auffordern: Diese Maßnahme betreiben vor allem Praxisinhaber, wo die Fluktuation der Praxis höher ist. Eine sinnvolle Maßnahme.
  • Abstand zum Klienten: Laut RKI (Robert-Koch-Institut) ist ein Hygiene-Corona-Abstand von Mensch zu Mensch von 1,5-2 m zu wahren. Das wird in den meisten Praxen möglich sein und sollte gewahrt bleiben. Therapeutische Methoden, die eine größere Nähe erfordern sowie körperorientierte Methoden müssen leider eingeschränkt werden.
  • Atemschutzmasken: Verwende ich nicht – aus drei Gründen:
    • Erstens ist der Bedarf so groß, dass primär Berufe versorgt werden sollten, die mit Infizierten arbeiten.
    • Zweitens wirken nur Masken, welche das Atmen erschweren – was vielen Sitzungen entgegenläuft.
    • Drittens vermitteln sie ein falsches Sicherheitsgefühl für den Klienten, weswegen diese dann fahrlässiger werden.
  • Online-Sitzungen: Manche Sitzungen wie Explorationen oder Coaching (während einer Ausgangssperre eh nicht möglich), lassen sich auch gut im Online-Format durchführen. Kostenlose Plattformen wie Skype und WhatsApp kennt jeder, dazu kommen professionelle Plattformen wie Zoom oder WebEx. Die Einschränkungen für Online-Sitzungen bei psychologischen Psychotherapeuten werden gerade von den Landesregierungen aufgeweicht – bei Heilpraktikern Psychotherapie ist das eh freier geregelt.
  • Nur ein Klient pro Tag?: Manche Therapeuten nehmen nur einen Klienten pro Tag, in der Hoffnung, dass das mit dieser Maßnahme zur Hygiene das Corona Virus nicht länger als 24 Stunden überlebt. Leider funktioniert das nicht, da das Virus auch gerne mal drei Tage in den Räumlichkeiten verbleiben möchte. Dann hätte man zwei Klienten pro Woche, womit man zeitnah pleite wäre.
  • Verdachtsfälle melden?: Therapeuten sind nicht verpflichtet, Corona abzufragen. Aber der Logik nach wird man dies wahrscheinlich sowieso tun. Für begründete Verdachtsfälle, gibt es eine Meldepflicht. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass diese Klienten mit akuten Symptomen in die Praxis kommen – das sollte man in der Information an die eigenen Klienten vor der Sitzung klarstellen.
Der Reinigungs-Tipp

Also hier die gute Nachricht: Die meisten Sitzungen können weiter gegeben werden, nur eben ein wenig anders und umsichtiger was Hygiene angeht.

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