• Soforthilfe geltend machen lohnt sich

Engpass in Soforthilfe geltend machen

Tipps und Anregungen zum Soforthilfe-Antrag

Soforthilfe geltend machen

Fokus Solo-Selbstständige wie Heilpraktiker und Coaches

Berufsbedingt habe ich viel mit (Solo)-Selbstständigen im Gesundheitsbereich zu tun. Therapeuten, Heilpraktiker und Coaches. Fast alle haben Einbußen im Umsatz zu verzeichnen, kleine, mittlere und immense. Besser dran sind diejenigen, welche mit Einzelklienten arbeiten. Hart trifft es diejenigen, welche vorrangig mit Gruppen arbeiten, sei es als Therapeuten, Ausbilder oder Trainer.

Somit sind viele erst einmal berechtigt, eine Soforthilfe geltend zu machen – und die meisten haben das schon gemacht. Da es mich erstaunt hat, wie schwer detaillierte Informationen zu bekommen sind – selbst jetzt noch Ende April – habe ich hier noch einmal für Sie gesammelt. Für die, welche es noch vorhaben, oder nach einer Ablehnung nachbessern wollen. Natürlich nur als Tipps aus Laiensicht – bin kein Rechtsanwalt 😉

Hier sind auch die Links meines Blogeintrags über Wirtschaftshilfe wesentlich:

Blogeintrag: Wirtschaftshilfe

Soforthilfe-Grundsatz

Nachweisbarer betrieblicher Liquiditätsengpass – Liquiditätsplan machen!

Der Grundsatz der Soforthilfe, egal in welchem Bundesland, ist ein LIQUIDITÄTSENGPASS im BETRIEB. Liquiditätsengpasses bedeutet, dass weniger Kohle zufließt, als abfließt.

Um eine negative Differenz der Liquidität zu kompensieren, müssen in keinem Bundesland private Mittel verwendet werden. Und in vielen (wie in Bayern), nicht einmal betriebliche liquide Mittel. D. h. man muss nicht auf sein Erspartes zurückgreifen, weder auf dem privaten, noch betrieblichen Konto. Man muss nur die negative Liquiditätsdifferenz im Antrag auf Soforthilfe geltend machen.

Die Soforthilfen geltend zu machen funktioniert unterschiedlich je nach Bundesland, je nach Gnade eines guten Standorts. Doch folgende Prinzipien und Rahmenbedingungen gelten überall:

  • Voller Zuschuss – keine Rückzahlung.
  • Antrag spätestens bis zum 31. Mai 2020.
  • Nachweisbarer Liquiditätsengpass (Differenz betrieblicher Einnahmen und Ausgaben).
  • Der Antrag wird gestellt für einen Liquiditätsengpass, gerechnet für die „auf die Antragstellung folgenden drei Monate“.
  • Aktuell KEINE Berücksichtigung jeglicher privater Ausgaben (Lebensunterhalt) – außer in Hamburg und seit 9.4.20 in Baden-Württemberg mit einer Pauschale von 1180 €.
  • Senkt der Vermieter die Praxismiete um mindestens 20%, wird der Zuschuss (für Alles) für fünf Monate gewährt.
  • Der Betrieb war gesund bis zum 31.12.2019.
  • Kein Rechtsanspruch, wird aber in der Praxis problemlos gezahlt.
  • Bei ungerechtfertigtem Antrag Rückzahlung und ggf. Klage wegen Subventionsbetrug.

Hier Links zur den Antragsseiten, um die Corona Soforthilfe geltend zu machen und mehr Info:

Sich auf Finanzamt-Prüfung vorbereiten

Nachweisbarer betrieblicher Liquiditätsengpass – Liquiditätsplan machen!

Im Moment steht es in den Sternen, ob nach überstandener Wirtschaftskrise, eine Überprüfung der Rechtschaffenheit der Anträge erfolgt. Im Moment sieht es jedoch danach aus. Hubert Aiwagner (bayerischer Wirtschaftsminister) hat jetzt Ende April sehr klar von sich gegeben, dass  „…  nach der Krise jeder einzelne Antrag auf Richtigkeit geprüft werde.“ Ich gehe erst einmal davon aus, dass es automatisierte Steuerprüfungsprogramme geben wird, welche die Integrität einer Steuererklärung prüfen. Auf jeden Fall werden Antragsteller für Soforthilfe mehr in den Fokus der Finanzbeamten rücken.

Daher empfiehlt es sich nur dann die Soforthilfe geltend machen und einen Antrag zu stellen, wenn man sich wirklich und nachweisbar in einer schwierigen Finanzlage befindet. Und zwar ein Engpass, welcher wirklich den eigenen Betrieb – und NICHT das private Konto betrifft.

Die IHK empfiehlt zudem ganz klar einen Liquiditätsplan zu erstellen, um später die eigenen Ansprüche nachweisen zu können. Und ich kann mich diese Empfehlung nur anschließen. Mit einem transparenten, gut strukturierten und sauber berechneten Antrag ist man später auf der sicheren Seite. Hier sind Download-Links für einfache Liquiditätspläne in EXCEL:

Was darf ich in Soforthilfe geltend machen?

Alle meine BETRIEBLICHEN Ausgaben – KEINE privaten Ausgaben

Soforthilfe geltend machen - was geht

Betrieblicher Liquiditätsengpass (1)

Betrieblicher Liquiditätsengpass bedeutet, dass der Betrieb gefährdet ist – vollkommen unabhängig von der eigenen wirtschaftlichen Existenz als Mensch. Daher dürfen aktuell ausschließlich nur betriebliche Einnahmen und betriebliche Ausgaben in die Berechnung des Liquiditätsengpasses einfließen – außer in Hamburg und Baden-Würtemberg.

ABER: Es besteht eine vage Hoffnung, dass eine Pauschale für Unternehmerlohn nach dem Modell von Baden-Württemberg in eine Höhe von 1180 € pro Monat veranschlagt werden kann (auch hier, und hier). Daher gibt es Sinn, dies auch in anderen Bundesländern im Antrag jetzt schon (transparent!) zu probieren – allein schon damit man keinen zweiten Antrag stellen muss, wenn hier die Anfrage der Bundesländer durchgeht. Mehr als abgelehnt werden kann das nicht.

Folgende Posten kann man definitiv für die Soforthilfe geltend machen. Fixkosten sind im Antragsverfahren explizit so formuliert. Notwendige variable Kosten – solche, damit der Geschäftsbetrieb überhaupt weiterlaufen kann – sind nachvollziehbar und sollten transparent eingereicht werden:

  • Miete für Praxiszimmer oder sonstige Räumlichkeiten
  • Raten für betriebliche Kredite
  • Leasing für ein Firmenfahrzeug oder Geräte
  • Betriebliche Versicherungen (Haftpflicht, Rechtsschutz, Gebäudeschutz, usw.)
  • Fixkosten für Internet, Telefon und sonstige Telekommunikation
  • Notwendige Fahrten zur Betriebsstätte, wenn diese den Einnahmen dient
  • Unregelmäßige Kosten für Werbung (etwa Google Ads, Visitenkarten, etc.), wenn diese zwar in Höhe variieren, jedoch im Hintergrund prinzipiell mitlaufen

Die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt (oder den der Mitarbeiter als Personalkosten) kann man als einzelne Posten NICHT im Antrag für Soforthilfe geltend machen.

  • Personalkosten, weder für Mitarbeiter, noch für einen selbst. Damit auch keine Kosten des Lebensunterhaltes bei Solo-Selbständigen (außer Hamburg und Baden-Württemberg).
  • Fixkosten der eigenen privaten Versicherungen (Krankenversicherung, Rentenversicherung, usw.)
  • Fixkosten des eigenen privaten PKWs, auch wenn dieser betrieblich genutzt wird.
  • Raten für private Kredite (nur Raten für betriebliche Kredite fallen unter die Soforthilfe)
  • Soziale Leistungen für Familienangehörige
  • Unterhaltsleistungen

Aber wer Solo-Selbständiger ist, kann im Antrag probieren eine Lebenshaltungspauschale von 1180,- (nach dem BaWü-Modell) geltend zu machen und auf eine nachträgliche Änderung der Rechtsprechung hoffen.

Steuerzahlungen (Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, usw.) können als Ausgabe NICHT in der Soforthilfe geltend gemacht werden. Aktuell gibt es bundesweit keine einzige Maßnahme, welche Steuern in irgend einer Art und Weise erlässt – wen wundert’s. Die Diskussion um einen Erlass der Umsatzsteuer im Jahr 2020 zu Anfang der Corona-Krise dauerte ca. drei Tage. Eine erhaltene Soforthilfe wird im Gegenteil als Einkommen gewertet und muss versteuert werden.

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