• In Bayern besteht ausgangsbeschraenkung psychotherapie

Für Klienten | Bei Ausgangsbeschränkung Psychotherapie wahrnehmen

Kann ich meine Psychotherapie während einer Ausgangsbeschränkung wahrnehmen?

Bei Ausgangsbeschränkung Psychotherapie aussetzen?

Es gibt keinen Grund bei einer Ausgangsbeschränkung oder Ausgangssperre eine notwendige Psychotherapie auszusetzen.

Psychotherapie ist wichtig

Bei Ausgangsbeschränkung Psychotherapie nicht anbieten zu können, wird in den meisten Fällen mehr Schaden, als Nutzen bringen. Gerade dann, wenn staatlich verordnete soziale Isolation erfolgt, werden Klienten mit schwächeren sozialen Strukturen oder ohne Familie benachteiligt, was etliche bedrücken wird. Haben diese Menschen aktuell bereits mit psychischen Problemen zu kämpfen, verschlechtert dies ihre Lage. Dem gilt es entgegenzuwirken. Aktuell besteht die Überlegung Psychotherapie in die Liste der systemrelevanten Berufe aufzunehmen.

In Hessen wird diskutiert die Psychotherapie in die Liste der systemrelevanten Berufe aufzunehmen

Eine Ausgangsbeschränkung ist meist nicht bundeseinheitlich

Erst einmal wird eine Entscheidung für eine Ausgangsbeschränkung i. d. R. auf der Ebene der Länder oder der Gemeinden gefällt. Deswegen ist die Ausgestaltung einer Ausgangssperre oder Ausgangsbeschränkung sehr unterschiedlich.

Die Informationen, welche ich hier geben kann, gelten spezifisch für die angeführten Gebiete. Haben Sie in einem anderen Bundesland ebenfalls eine Ausgangsbeschränkung, sollten Sie sich über die dortige Gesetzeslage und Ausgestaltung informieren.

Bayern – Bei Ausgangsbeschränkung Psychotherapie erlaubt

Die spezielle Regelung der bayerischen Ausgangsbeschränkung zum 20.3.2020

Die Gesetzeslage zur Ausgangsbeschränkung Psychotherapie

Der folgende Abschnitt soll Ihnen als Klient helfen, die Auswirkung einer Ausgangsbeschränkung (oder einer späteren Ausgangssperre) im Rahmen der Möglichkeit einer Nutzung von psychotherapeutischen Sitzungen in meiner Praxis, oder einer anderen, abzuwägen.

Ich musste am Tag nach der Bekanntmachung länger suchen, bis ich zur Quelle (Gesetzestext) komme. Es ist mir als Praxisinhaber unverständlich, warum hier die vor allem die Vereinigungen (KVB, bdp, HP Verbünde, etc.), aber auch die Medien nicht schneller mithelfen, dass dies zeitnah geschieht. Hiervon sind schließlich im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung sehr viele betroffen – sowohl Praxisinhaber (oft Solo-Selbstständig) sowie deren Klienten und Patienten.

Was die Auswirkungen auf die Wahrnehmung einer psychotherapeutischen Behandlung während einer Ausgangsbeschränkung angeht, ergibt sich folgende gesetzliche Faktenlage.

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur aus triftigen Gründen erlaubt. Zu den triftigen Gründen gehört laut Gesetz (Punkt 5, Abs. b)):

Triftige Gründe sind insbesondere … die Inanspruchnahme medizinischer und veterinärmedizinischer Versorgungsleistungen … sowie der Besuch bei Angehörigen helfender Berufe, soweit dies medizinisch dringend erforderlich ist (z. B. Psycho- und Physiotherapeuten), …

Weiterhin wichtig ist in allen Entscheidungen hierzu die Verhältnismäßigkeit zu wahren:

Das Verlassen der Wohnung ist aus Verhältnismäßigkeitsgründen bei Vorliegen triftiger Gründe gestattet, …

Bei Ausgangsbeschränkung Psychotherapie abwägen

Vor diesem Hintergrund sind meine persönlichen und unverbindlichen Empfehlungen im Umgang mit einer Ausgangsbeschränkung Psychotherapie für Sie als Klient oder Patient für die Möglichkeit der Wahrnehmung psychotherapeutischer Sitzungen die folgenden:

Bitte wägen Sie selber die beiden Seiten ab:

  • Die gesundheitliche Seite
    • Gehöre ich zu einer Risikogruppe?
    • Habe ich die Anzeichen einer Grippe? Bin ich fit und fühle mich gesund?
    • Habe ich in den letzten 14 Tagen Kontakt zu Menschen gehabt, welche mit dem Corona-Virus infiziert sind?
  • Die Bedarfsseite
    • Bin ich in einer laufenden Behandlung und in Heilungsprozessen?
    • Macht mir die aktuelle deutschlandweite Situation zu schaffen und verschlechtert sie meinen Zustand?
    • Kann ich meinen Stresslevel durch die Psychotherapie senken – und mein Immunsystem stärken?

Unsere Immunität hängt zu einem nicht unerheblichen Teil von unserer psychischen Gesundheit ab. Daher würde ich persönlich im Bedarfsfalle abwägen, ob die Gefahr einer Ansteckung durch den Aufenthalt außerhalb meiner vier Wände in Bezug auf meine körperliche Konstitution (Risikogruppe) überwiegt, oder der Profit für meine Immunität durch Senkung eines aktuell hohen Stresslevels. Dies ist für mich die Übersetzung der Verhältnismäßigkeit im Gesetzestext für Ausgangsbeschränkung Psychotherapie: Keine Sitzungen für wenig belastende Themen und einer guten Zeit daheim, aber die Möglichkeit von Therapiesitzungen, welche emotional wesentlich entlasten können.

Ich persönlich gehe davon aus, dass sich die meisten von uns anstecken werden, weshalb ich in meiner persönlichen Betrachtung auf eine Stärkung des Immunsystems setze – in allen Dingen die ich tue. Meine Einschätzung beruht auf den folgenden Fakten in einem anderen Blogeintrag.

Ihnen wünsche ich eine gute persönliche Entscheidung – unabhängig von meiner Person und meiner Praxis. Ich bin gerne für Sie da.

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